Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es fasziniert mich immer wieder, wie sehr wir Menschen unsere Gesundheit und die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten selbst in der Hand haben. Dabei ist die Ernährung –neben Sport und mentalen Aspekten- eines der drei Fundamente. Eigentlich eine Binsenweisheit, oder?

In diesem Newsletter widme ich mich den Fetten, die nach wie vor allenfalls einen mittelmäßigen Ruf haben. Völlig zu Unrecht. Man muss nur wissen, welche gut sind und welche nicht.
Dabei gehören Omega-3-Fette mit zu den Helden, wenn es um die Erhaltung unserer Gesundheit geht. Nur, so einfach ist es auch bei diesen Helden nicht. Richtig ist: Omega-3-Fette sind gut, aber einige sind eben noch besser. EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) heißen die beiden. Ich stelle sie Ihnen in dem ersten der beiden Texte dieses Newsletters vor.

Der zweite Text ist ein ganz praktisch- und alltagsorientierter. Es geht um Öle; gute und schlechte. Was ich jetzt schon mal verrate: Vor Sonnenblumenöl sollten Sie sich in acht nehmen. Leider begegnet Ihnen genau das aber fast überall, wo es zu essen gibt. Mehr zu guten und schlechten Ölen lesen Sie unten.

Ich wünsche Ihnen eine bereichernde Lektüre,
Ihr
Dr. Burkhard Jahn

Omega-3-Fette bremsen Entzündungen
Es gibt gute Fette, die wir regelmäßig essen sollten, und es gibt weniger gute Fette, die wir weitgehend meiden sollten. Zu den guten Fetten gehören die so genannten Omega-3-Fette, die sich mittlerweile –völlig zu Recht- auch eine gewisse Popularität erarbeitet haben. Omega-3-Fette hemmen Entzündungen. Das klingt nicht nur spektakulär, sondern ist es auch: Chronische Krankheiten wie zum Beispiel Arteriosklerose, Rheuma, Morbus Crohn, Krebs oder Demenz sind das Ergebnis jahrelanger schleichender Entzündungen. In der Fachsprache: Silent Inflammation. Wenn Sie also viele Omega-3-Fette essen, vermindern Sie Ihr Risiko, chronisch krank zu werden. Aber Achtung: Es gibt einen Gegenspieler zu den Omega-3-Fetten: Omega-6-Fette. Die sind in großer Menge zum Beispiel in Sonnenblumenöl enthalten. Sonnenblumenöl ist das Lieblings-Öl der Nahrungsmittelindustrie und wird deshalb in nahezu allen Saucen und Dressings verwendet. Einmal mehr ein Argument dafür, möglichst wenig Nahrungsmittel zu kaufen, bei denen die Lebensmittelindustrie Arbeitsschritte für Sie übernimmt, und stattdessen möglichst viel selbst zu machen. Noch etwas: Sonnenblumenöl  sollte in Ihrer Küche nichts zu suchen haben. Verwenden Sie stattdessen –besonders- das hervorragende Olivenöl oder alternativ Kokosöl, Rapsöl, Walnussöl oder auch Leinöl. Zurück zu den Omega-3-Fetten, denn es wird noch ein bisschen komplizierter: Omega-3-Fette sind nicht gleich Omega-3-Fette. Die besonders guten, eben weil entzündungshemmenden heißen Eicosapentaensäure (EPA) und Docoshexaensäure (DHA). In pflanzlichen Lebensmitteln wie Chiasamen, Leinsamen, Leinöl oder grünem Blattgemüse befindet sich besonders das Omega-3-Fett Alpha-Linolensäure (ALA). ALA ist ebenfalls wichtig, den Omega-3-Fetten EPA und DHA jedoch deutlich unterlegen. Unser Körper kann ALA zwar in EPA und DHA umwandeln, aber nur zu etwa 10%. Es ist also wichtig, nicht nur einfach Omega-3-Fette zu essen, sondern gezielt EPA und DHA. Die befinden sich in Algen und in fetten Seefischen wie Lachs, Hering oder Forelle. Wenn Sie meine Kolumne regelmäßig lesen wissen Sie, dass ich Vegetarier bin. Und wenn ich ehrlich bin, fällt es mir schwer, Ihnen das Essen von Fisch zu empfehlen. Zur Wahrheit gehört aber nun mal, dass fette Seefische gute Lieferanten von EPA und DHA sind. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Fische hochkomplexe Lebewesen sind, selbstverständlich Schmerzen empfinden, und in vielen Fällen auf bestialische Weise umgebracht werden, um von uns gegessen zu werden. Und zur Wahrheit gehört schließlich, dass auch Algen EPA und DHA liefern. Ich nehme übrigens jeden Tag Algenkapseln.
Dass zu einer guten, gesundheitsfördernden und entzündungshemmenden Ernährung neben Omega-3-Fetten und dabei besonders EPA und DHA auch Obst und Gemüse, Gemüse, Gemüse zählt, ist für Sie sicher eine Binsenweisheit. Aber ich habe es an dieser Stelle gerne noch einmal wiederholt!

(Diesen Artikel habe ich ursprünglich als Kolumne für die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg geschrieben; er ist dort am 24.07.2021 erschienen.)

Gute Öle – schlechte Öle
Dass chronische Erkrankungen und auch unser Alterungsprozess das Ergebnis von langjährigen, kleinen Entzündungsfeuerchen  in unserem Körper ist, so genannter Silent Inflammation, habe ich an dieser Stelle schon wiederholt geschrieben. Wenn es Ihnen also gelingt, für nur wenige Entzündungen in Ihrem Körper zu sorgen, haben Sie eine gute Chance, ohne schwere, chronische Erkrankungen durchs Leben zu gehen und langsam zu altern.
Natürlich beeinflussen wir Silent Inflammation durch das, was wir essen und trinken. Auf den Punkt gebracht: Nehmen Sie nur wenige Entzündungsbeschleuniger zu sich und möglichst viele Entzündungsbremser!
Einen starken Bremser von Entzündungen habe ich Ihnen in meiner letzten Kolumne (am 24.07.21) vorgestellt: Omega-3-Fette. Leider essen die meisten Menschen viel zu viel Omega-6-Fette, und damit einen kraftvollen Beschleuniger von Entzündungen.
Einige Öle enthalten sowohl Omega-3-Fette als auch Omega-6-Fette. Entscheidend ist das Verhältnis der beiden zueinander; und da gibt es einige Öle, von denen Sie die Finger lassen sollten. Sonnenblumenöl und Distelöl zum Beispiel. Besonders Sonnenblumenöl findet in der Lebensmittelindustrie viel Verwendung: In Salatölen in Restaurants, in Mayonnaise oder in Brotaufstrichen. Es enthält 120x so viele Omega-6 wie Omega-3-Fette.
Sonnenblumenöl ist ein pflanzliches Produkt, und pflanzliche Lebensmittel haben einen guten Ruf. Deshalb werben viele Lebensmittelhersteller, die Sonnenblumenöl verwenden, mit dem Aufdruck: Mit pflanzlichen Ölen. Lassen Sie sich von solchen –oft dick gedruckten- Werbebotschaften nicht blenden und lesen Sie die –meist klein gedruckte- Zutatenliste. Steht dort Sonnenblumenöl auf einem der vorderen Plätze, dann sollte das Lebensmittel nicht in Ihren Einkaufswagen wandern, sondern zurück ins Regal.
Zu den guten Ölen: Rapsöl enthält immer noch 2x so viele Omega-6-Fette wie Omega-3, ist aber ein Öl, das Sie guten Gewissens verwenden können. Mit Rapsöl können Sie auch braten. Mehr Omega-3 als Omega-6-Fette enthält Leinöl, das leider einen Geschmack hat, den nicht jeder mag. Sie sollten es zudem kühl und dunkel lagern – und Sie dürfen es nicht erhitzen. Hervorragend ist Olivenöl, auch wenn es ein ganz anderes Fettsäuremuster hat und kaum Omega-3-Fette enthält. Dass Olivenöl das Risiko für Herzinfarkt reduziert, ist durch viele Studien belegt. Sie sollten es täglich verwenden! Ebenfalls ein gutes Öl ist Kokosöl, das bei Zimmertemperatur fest ist. Kokosöl ist ein gesättigtes Fett. Mit Kokosöl können Sie ebenfalls gut braten. Zudem gibt es Belege dafür, dass es gegen Demenz schützt und das Voranschreiten einer Demenz bremsen kann.
Gute Öle sind auch Walnussöl und Hanföl. Dabei hat besonders Hanföl eine spannende Zusammensetzung an Fettsäuren, die als günstig gilt für die Besserung von Hauterkrankungen wie Neurodermitis.
Meine vier Favoriten, die ich regelmäßig verwende, sind: Olivenöl, Leinöl, Kokosöl und Rapsöl!

(Diesen Artikel habe ich ursprünglich als Kolumne für die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg geschrieben; er ist dort am 14.08.2021 erschienen.)

Angaben gemäß § 5 TMG:

Dr. med. Burkhard Jahn
Peter-Grave-Straße 2
26419 Schortens / Grafschaft

Telefon: +49 4423 – 6111
Telefax: +49 4423 – 7842

Dr. Burkhard Jahn ist Facharzt für Allgemeinmedizin verliehen durch die ÄK Niedersachsen, Deutschland mit Zusatzqualifikation in Diabetologie und Ernährungsmedizin.

Zuständige Kammer: Landesärztekammer Niedersachsen, Berliner Allee 20, 30175 Hannover

Zuständige kassenärztliche Vereinigung: Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Berufsbezeichnung: Arzt (verliehen in der Bundesrepublik Deutschland)

Berufsrechtliche Regelungen: – Berufsordnung der Landesärztekammer von Niedersachsen – Heilberufegesetz des Landes Nidersachsen