Tiere essen - oder besser doch nicht?

 

Beim Thema Fleisch essen kochen die Emotionen rasch hoch. Zudem gilt es bei den meisten Verbrauchern als nicht besonders gesund. Und das durchaus zu recht. So kamen die immerhin 37 Autoren eines 2019 in der international hoch angesehenen Fachzeitschrift Lancet erschienen Artikels  nach Auswertung verschiedener Studien zu dem Ergebnis, dass verarbeitetes rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) das Risiko für Schlaganfälle und vorzeitigen Tod an Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Für Geflügel gilt das nach dieser Datenlage nicht. Das verwundert, denn in keiner Zucht werden so viele Antibiotika eingesetzt wie in der von Geflügel. Das Wachstum antibiotikaresistenter Keime wird auf diese Weise massiv gefördert. 
Zur Wahrheit gehört weiterhin, dass viele der Tiere, die später verspeist werden, krank sind. Der Tierarzt und Autor Matthias Wolfschmidt schreibt in seinem Buch „Das Schweinesystem“: „Nach einer an drei Schlachthöfen durchgeführten Untersuchung kam die Münchner Ludwig-Maximilian-Universität 2015 zu dem Befund, dass 90 Prozent der knapp 1000 begutachteten Mastschweine aus konventioneller Haltung an chronisch schmerzhaften Entzündungen ihrer Gelenke an Vorder—und Hinterläufen litten.“ Aber auch Tiere auf Bio-Höfen sind oft krank. Die Frage  nach Gesundheit oder Krankheit bei Mastvieh hängt nicht von konventioneller oder von Bio-Haltung ab, sondern von der Führung des Hofes. Nur: Woran wollen Sie das als Verbraucher erkennen? 
Um eine Vorstellung von der Menge an Tieren zu bekommen, die jedes Jahr ihr Leben lassen müssen, um von Menschen gegessen zu werden: Im Jahr 2018 beispielsweise wurden in deutschen Schlachthöfen 56,6 Millionen Schweine geschlachtet. Apropos Schweine: Während es in Deutschland selbstverständlich ist, dass man Hunde nicht isst, interessiert sich für das Leben und Sterben der mindestens ebenso intelligenten Schweine kaum jemand. 
Ich frage mich manchmal, wie sich wohl der Fleischkonsum entwickeln würde, wenn wir Schlachthäuser mitten in die Städte holen würden, im Optimalfall noch vollständig verglast, damit jeder sehen kann, wie Fleisch-Schnitzel, Fleisch-Burger und Co entstehen. 
Besonders erbärmlich ist die Haltung von Masthühnern, wie Matthias Wolfschmidt in seinem Buch ankreidet: „…werden in der Europäischen Union Jahr für Jahr unvorstellbare fünf Milliarden Masthühner geschlachtet… In Hallen ohne Tageslicht, die kleiner sind als Fünfzig-Meter-Schwimmbecken, leben bis zu 40.000 Tiere…“
Auch Fische sind übrigens Lebewesen, oft sogar sehr intelligente, die feinste Änderungen des Wasserdrucks wahrnehmen und auf Geräusche aus vielen Kilometern Entfernung reagieren. Sie sterben in den Netzen der Fangflotten, in denen oft auch Beifang wie Delfine, Schildkröten, Möwen usw. zu Tode kommt, oft einen besonders qualvollen Tod.
Zusammengefasst spricht sowohl aus medizinischen als auch aus ethischen Gründen viel dafür, möglichst wenig totes Tier zu essen – im Optimalfall gar keins!