Zucker: Die meisten Menschen haben einen viel höheren Konsum als sie denken

Einerseits liefert Zucker uns Energie, andererseits verursacht er diverse Probleme und kann uns krank machen: Zu viel Zucker führt zur Zuckerkrankheit  (Diabetes), kann Fettleber verursachen, ist einer der Täter in der Entstehung von Arteriosklerose, lässt unsere Haut schneller altern (Zuckerjunkies kann man ihren Konsum an einer trockenen und unreinen Haut oft ansehen), beschädigt unsere Zähne, verändert unsere Darmflora und kann sogar unser Denken beeinträchtigen.  Die WHO empfiehlt, dass wir maximal sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu uns nehmen sollten. Ich ahne, dass sich jetzt der eine oder andere von Ihnen entspannt zurücklehnt und denkt, ich esse (und trinke) viel weniger als sechs Teelöffel pro Tag. Zumindest ist das meine Erfahrung aus meiner täglichen Sprechstunde. Als in dieser Situation besonders entspannt erlebe ich diejenigen, die in ihren Kaffee (oder wahlweise Tee) gar keinen Zucker machen oder höchstens ein „Löffelchen“. Aber: die meisten Deutschen täuschen sich – und unterschätzen, was ihnen die Lebensmittelindustrie an Zucker spendiert. Marmelade oder Honig (!) strotzen nur so vor Zucker, von Schokolade und Gummibärchen ganz zu schweigen. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt: Steht Zucker an erster Stelle (ist z.B. bei den meisten Schokoladesorten so) ist er sogar das Produkt, von dem am meisten drin ist. Noch ein Wort zu Honig: ja, auch er steckt voller Zucker und Sie sollten ihn deshalb nur in Maßen genießen. Aber nicht nur Süßigkeiten sind Zuckerbomben, auch Eier- oder Kartoffel-Salate, Dressings, Ketchup, Fruchtjoghurt oder eingelegte Gurken werden ordentlich gezuckert, damit es Ihnen gut schmeckt und Sie beim nächsten Einkauf wieder zu demselben, leckeren (weil süßen) Produkt greifen. Im Ergebnis kommt der durchschnittliche Deutsche nicht auf etwa sechs Teeöffel Zucker (ca. 25 Gramm), sondern auf etwa vier Mal so viel. Möchten Sie Ihren wahren Zuckerkonsum prüfen, ist die erste Voraussetzung: Sein Sie ehrlich mit sich selbst.
Spreche ich mit meinen Patienten über Zucker, kommt meistens ziemlich schnell die Frage nach Obst. Ganz klar: Obst ist nicht das Hauptproblem, wenn wir von Zuckerkonsum sprechen. Obst ist m.E. als Problem sogar zu vernachlässigen. Die meisten Deutschen essen nicht zu viel, sondern zu wenig Obst. Ja, richtig, Obst enthält Zucker. Aber: Obst besteht auch aus Ballaststoffen und die sorgen dafür, dass der Zucker nur langsam im Blut ankommt. Etwas anderes ist es hingegen, wenn Sie einen Teil Ihres Obstes trinken. Dann entfallen die Ballaststoffe und Ihr Körper wird regelrecht von Zucker geflutet. Und: Während Sie z.B. nur einen oder maximal zwei Äpfel essen können, können Sie mühelos vier, fünf oder sechs Äpfel trinken, bzw. den Zucker der Äpfel!
Ob Süßstoffe eine Alternative sind, und wie Sie im Alltag mit dem Zuckerproblem umgehen, erzähle ich Ihnen in meiner nächsten Kolumne.