Keine Angst vor Hormonen
Die Behandlung mit Hormonen –insbesondere bei Frauen nach der letzten Regelblutung- ist bis heute ein schwieriges Thema. Schneidet man es als Arzt an, kommt in vielen Fällen ziemlich schnell der besorgte Einwand, dass Hormone doch das Krebsrisiko sowie die Gefahr für Thrombosen steigern würden. Von welchen Hormonen sprechen wir an dieser Stelle überhaupt? Von den Östrogenen -und hier besonders von Östradiol- und von Progesteron. Das sind die beiden wesentlichen Hormone, die den Zyklus der Frau steuern. In den Wechseljahren verabschieden sie sich peu a peu. Östradiol und Progesteron steuern aber nicht nur den Zyklus, sondern sind noch für diverse andere Funktionen zuständig: Östradiol brauchen wir Menschen (ja, alle Menschen, nicht nur Frauen, auch Männer benötigen Östradiol) z.B. für klares Denken und scharfe Aufmerksamkeit oder auch für stabile Knochen. Progesteron hilft uns ausgeglichen zu sein, verbessert unsere Stimmung, senkt den Blutdruck und sorgt für guten Schlaf. Sie können sich vorstellen, dass einige Funktionen Ihres Systems aus dem Ruder laufen, wenn diese beiden so wichtigen Hormone immer weniger werden. Zurück zu der Angst davor, mit Hormonen zu behandelt zu werden: Diese Angst hat ihre Ursache in Studien, deren Ergebnisse nicht gut waren, und die in der Öffentlichkeit intensiv besprochen wurden. Der entscheidende Punkt: In diesen Studien wurde mit synthetischen, also künstlich veränderten Hormonen behandelt oder auch mit Hormonen, die man aus Stutenurin gewonnen hatte. Es handelte sich also in Wahrheit um Medikamente mit hormonähnlicher Wirkung. Die größte Studie zur Wirkung von Hormonen (in diesem Fall bei Frauen) ist die Natur selber, und Sie, liebe Frauen, nehmen an dieser Studie teil, oder haben daran teilgenommen, je nachdem wie alt Sie sind und ob Sie noch einen Zyklus haben oder nicht. Und Sie wissen, dass Östradiol und Progesteron zu Ihnen dazu gehört, ihre Stimmung, Ihr Denken und Ihre Aufmerksamkeit beeinflusst. Um es nicht zu einfach erscheinen zu lassen, gibt es noch etwas, das zu beachten ist: Sie sollten, wenn Sie Ihre letzte Regelblutung hinter sich haben und sich mit Hormonen behandeln lassen möchten, sowohl Östradiol als auch Progesteron nehmen, und Östradiol sollte als Gel auf die Haut aufgetragen werden und Progesteron als Kapsel eingenommen werden. Übrigens: Natürlich behandelt man heute mit körperidentischen Hormonen, also chemisch mit den Hormonen, die Ihr System jahrzehntelang kannte. Einschränkung: Frauen, die in der Vorgeschichte Brustkrebs hatten, sollten in aller Regel nicht mit Hormonen behandelt werden. Klären Sie das ggfs. mit Ihrem Gynäkologen oder Ihrer Gynäkologin. Erfreulicherweise ist das Thema Hormonbehandlung bei Frauen momentan populär und ich kann Ihnen zwei gut lesbare Bücher zu dem Thema empfehlen (s.u.#). In meiner nächsten Kolumne (in drei Wochen) erzähle ich Ihnen etwas zu Testosteron, ein ebenfalls wichtiges Hormon – für Männer und für Frauen!