Schilddrüse – klein, aber oho

Als kleines, fast unscheinbares Organ liegt sie am Hals, ganz unten, unmittelbar vor dem Kehlkopf: Die Schilddrüse! Die Größe wird meist im Milliltern gemessen: Bis zu 18 sind bei Frauen normal und bis zu 25 (ml) bei Männern. Das kleine Organ ist für unser System eine Art Gaspedal. Arbeitet die Schilddrüse zu schwach, kommen wir nicht aus dem Quark, nehmen schneller an Gewicht zu und frieren leicht. Dreht die Schilddrüse zu hoch, werden wir fahrig und nervös, unser Herz schlägt schneller und der Blutdruck kann steigen. Aber was ist normal? Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Im Wesentlichen gibt es drei Blutwerte, die helfen: TSH, fT3 und fT4. Dabei ist TSH eine Art Steuerungshormon. Es wird von der Hypophyse im Gehirn ausgeschüttet und reguliert, wie viel fT3 und fT4 die Schilddrüse produziert. Dennoch wird als einfachster Schilddrüsenwert primär TSH untersucht. Ein Wert zwischen 0.4 und 4.0 (mU/l) gilt als normal. Das ist ein relativ großer Bereich. Deshalb sollten gerade, wenn sich ein Patient nicht 100% fit fühlt, fT3 und fT4 mit gemessen werden. Ich erlebe immer wieder Menschen, die unzufrieden sind mit ihrer Leistungsfähigkeit und ein TSH von vielleicht 2 (mU/l) haben. Werden zusätzlich fT3 und fT4 bestimmt, sieht man bei diesen Werten möglicherweise Ergebnisse  im unteren Drittel. Oft fühlen sich diese Menschen nach kurzer Zeit besser, wenn man sie mit Schilddrüsenhormon behandelt. Dass eine solche Behandlung mit Fingerspitzengefühl und unter erneuter Blutkontrolle passieren muss, versteht sich von selbst. Wenn Sie oft müde sind, und Ihre Schilddrüsenwerte sind nicht optimal, ist es sinnvoll, auch Eisen (und Eisenspeicher Ferritin) zu bestimmen. Nur wenn auch Ihr Eisen top eingestellt ist, kann Ihre Schilddrüse genügend Hormone produzieren. Sollten Ihre Schilddrüsenwerte partout nicht richtig gut werden, kann das auch an zu wenig Jod oder an zu wenig der Aminosäure Tyrosin liegen. Auch diese Werte kann man messen. Für die Messung der Aminosäure Tyrosin ist allerdings ein Labor nötig, das Aminosäurenprofile anbietet. Und wenn TSH und fT4 zwar super sind, das fT3 aber aus unerfindlichen Gründen hinter hinkt und über das unteren Drittel des Normbereiches nicht hinauskommt, sollten Sie mal nach Selen gucken (möglichst im Vollblut messen lassen). Selen sorgt nämlich dafür, dass die Umwandlung von fT4 zu fT3 richtig funktioniert. 
Noch etwas: Für die Klärung, warum Schilddrüsenwerte nicht normal sind, ist die Bestimmung von Antikörpern notwendig, um z.B. eine Hashimoto-Schilddrüsenerkrankung zu diagnostizieren. 
Die Gabe von Schilddrüsenhormon bei Schilddrüsenunterfunktion ist übrigens eine ganz natürliche Therapie; man gibt, was der Körper selber bildet und behandelt mit so genannten bioidentischen Hormonen. Von bioidentischen Hormonen auch in anderen Situationen, z.B. in den Wechseljahren der Frau, werde ich Ihnen in den nächsten Wochen wiederholt erzählen!