Testosteron – Männer und Frauen brauchen es

Wenn es ein so genanntes Geschlechtshormon gibt, das in der Öffentlichkeit einen eher schlechten Ruf hat, dann ist es Testosteron: Ursächlich dafür ist eine ideologisch getriebene Debatte, die seit Jahren versucht, Männer und alles, was als männlich gilt, schlecht zu machen. Das ist nicht nur schief und oft auch verkehrt, sondern im Falle von Testosteron auch noch falsch: Ich habe oben bewusst von einem SO GENANNTEN Geschlechtshormon gesprochen, denn Hormone wie Östradiol, Progesteron oder eben Testosteron haben eine Reihe von Funktionen auf unser gesamtes System. Testosteron hilft, dass wir uns im Alltag gut fühlen, dass wir klar denken können und selbstbewusst sind. Es stärkt unseren Muskelaufbau und ist wichtig, wenn wir Fett verlieren wollen. Zudem erhöht es die Dichte unserer Knochen. Wenn wir über Testosteron sprechen, müssen wir auch DHEA (Dehydroepiandrosteron) erwähnen. DHEA ist nicht nur eine Vorstufe für Testosteron, sondern es hat auch eigene Wirkungen: z.B. ist es wichtig für ein gutes Funktionieren unseres Immunsystems. Bei beiden Geschlechtern sinken im Laufe des Lebens nicht nur die Werte von (den als typisch weiblich interpretierten Hormonen) Progesteron und Östradiol ab, sondern auch die von DHEA und Testosteron. Dass es für Frauen in der Postmenopause*  sinnvoll ist, mit Östradiol und Progesteron zu behandeln, habe ich bereits in meiner vergangenen Kolumne erzählt (Achtg.: Frauen, die in der Vorgeschichte Brustkrebs hatten, sind ein besonderer Fall und anders zu behandeln. Besprechen Sie das bitte ggfs. mit Ihrer Gynäkologin). Für Frauen und für Männer kann es zudem sinnvoll sein, die Werte für DHEA (bzw. DHEA-S) und Testosteron zu bestimmen. Das auch deswegen, weil vielfach das eine Hormon eine Vorstufe für das andere ist: DHEA eben (über einen Zwischenschritt) für Testosteron und Testosteron wiederum für Östradiol. Und Progesteron ist eine Vor-Vorstufe für Testosteron. Sie sehen: Die so genannten Geschlechtshormone sind ein ganzes Ensemble und so auch zu interpretieren. Wenn man zudem noch weiß, dass Progesteron nicht nur die Vor-Vorstufe für Testosteron ist, sondern auch –wenn es einen anderen Stoffwechselweg geht- die Vor-Vor-Stufe für unser Stresshormon Cortisol, wird klar, wie eng Stress und eine gestörte sexuelle Funktion zusammen hängen. Zurück zu Testosteron: Ist es niedrig, kann bei Frauen und Männern eine Behandlung sinnvoll sein. Das besonders, wenn Mann oder Frau die 50 überschritten hat und merkt, dass körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nachlassen (und Frau bereits mit Östradiol und Progesteron behandelt wird). Dabei ist es möglicherweis gar nicht nötig, Testosteron (z.B. als Gel) selber zuzuführen, sondern es kann eine Behandlung mit DHEA sinnvoller sein. Diskutieren Sie das ggfs. mit Ihrem Hausarzt, Ihrem Gynäkologen oder Urologen oder auch mit einem Endokrinologen.
In drei Wochen erzähle ich Ihnen von den Wechseljahren des Mannes!