Danke für das Geschenk des Lebens
Mit diesem Satz (Danke für das Geschenk des Lebens) endet der Roman Herr der Krähen des kenianischen Schriftstellers Ngugi wa Thiongo. Für mich ist das eines der Bücher, die mich in meinem bisherigen Lebern am meisten beeindruckt haben. Die Geschichte spielt in einem fiktiven afrikanischen Staat. Das Land wird von einem Despoten regiert, der selbstverliebt ist und in Saus und Braus lebt, während das Volk verarmt und die Straßen voller Müll sind. Die beiden Helden des Romans –Kamiti und Nyawira–, die im Verlauf der Handlung ein Paar werden, versuchen auf ihre eigene Art mit der Situation umzugehen. Kamiti flüchtet –zumindest zeitweise- in die Einsamkeit, um den Sinn seines Lebens ganz in sich zu finden, während Nyawira führender Teil der illegalen Opposition wird. Aber egal, was passiert, beide verlieren nie den Mut. Und obwohl am Ende nur ein Despot durch einen anderen ersetzt wird und sich sonst nicht viel ändert, kann Nyawira diesen Satz sagen: Danke für das Geschenk des Lebens!
Wir erleben heute eine unruhige Zeit voller Unsicherheit: Krieg in Europa, Antisemitismus, wirtschaftlicher Absturz unseres Landes, wieder zunehmende Arbeitslosigkeit, Inflation mit daraus resultierenden Preissteigerungen sowie Künstliche Intelligenz und die Frage, was KI für uns Menschen bzw. Bürger bedeutet. Hinzu kommt ein Staat, der zunehmend übergriffig wird und immer mehr in das Leben seiner Bürger hineinregiert.
Auf diese äußeren Umstände hat jeder einzelne nur sehr bedingt Einfluss. Aber: Jeder hat die Macht über sich selbst. Über das, was er denkt, wie er handelt, was seine Pläne sind und wohin es ihn in diesem Leben führt. Ob er an sich und den Herausforderungen des Alltages verzweifelt, oder ob er die eigene Situation als Anreiz ansieht, das Beste zu erreichen.
Ja, ich habe schon den Eindruck, dass in unserem Land viele Grenzen –z.B. des Sagbaren- heute enger gezogen sind als vor 30 oder 40 Jahren, wahrscheinlich sogar als noch vor 10 Jahren. Und, erneut ja, ich habe den Eindruck, dass viele Politiker in Berlin und Brüssel der Lebenswirklichkeit entrückt sind und glauben, sie wüssten am besten, was für jeden gut und richtig ist. Dennoch ist jeder einzelne Mensch frei und hat die Möglichkeit, sich sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu schaffen.
Voraussetzung: Sie sollten wissen, was Sie möchten und wohin es Sie in diesem Leben treiben soll. Schwierige Zeiten wie unsere bergen auch die Gefahr, alle ungelösten Probleme abwälzen zu können. Eben auf die schwierigen Zeiten. Wenn Sie sich klar sind, was Sie möchten, dann sollten Sie auch ins Handeln kommen. Patienten berichten mir z.B. immer wieder, dass es wichtig für sie war, sich auch von Menschen zu trennen, die ihnen nicht gut getan haben.
Übrigens: Auch wie Sie über die Probleme unserer Zeit denken, liegt bei Ihnen. Ich habe mir angewöhnt, unsere Zeit als zwar schwierig, aber auch spannend zu empfinden. Das muss nicht Ihr Weg sein. Mir hilft das!